Seit dem Mittelalter ist Faenza ein Zentrum der Keramikherstellung von herausragender Bedeutung. In den umliegenden Hügel gibt es viel Ton, der sich für die Herstellung bestens eignet, Ihre Lage zwischen der Poebene und der Toskana macht die Stadt zu einem Knotenpunkt verschiedener Kulturen. Hier werden u.a. Haushaltsgegenstände hergestellt, für die sehr effiziente Veredelungstechniken wie Glasur und Engobe entwickelt wurden.
In der Renaissance wurden die Techniken der Herstellung, Gestaltung und Verzierung immer raffinierter, bis sie im Laufe des 16. Jh. ihren Höhepunkt erreichten – einer Epoche, in der die berühmten „Bianchi“ entstanden, elegante, exzentrische Töpferwaren, die sich durch ihre makellose weiße Glasur auszeichnen.
Heute ist Faenza die Keramik-Hauptstadt. Museen, Ausstellungen, Erlebnis-Kurse, Workshops, Werkstätten, Ateliers, Künstlerresidenzen und Großveranstaltungen beleben das Kulturprogramm von Faenza rund um das Thema, mit dem diese Region am engsten verbunden ist.
Wissenswertes: „Faïence“ bedeutet weltweit Majolika, und aufgrund dieser jahrhundertealten künstlerischen und handwerklichen Tradition ist Faenza als UNESCO-Kreativstadt ausgezeichnet worden.
Veranstaltungen: Alle zwei Jahre findet in Faenza eine große Keramikmesse statt, mit einem reichhaltigen Programm an Ausstellungen, Vorführungen und Rahmenveranstaltungen, die Tausende von Besuchern in die Stadt locken.
Argillà Italia – Internationales Keramikfestival und Keramikmesse
Unser Rundgang durch Faenza beginnt mit einem Besuch des Internationalen Keramikmuseums (MIC), eines der bedeutendsten Keramikmuseen der Welt.
Das 1908 von Gaetano Ballardini gegründete Museum verfügt über einen Bestand von mehr als 60.000 antiken und zeitgenössischen Kunstgegenständen aus der ganzen Welt. Daneben gibt es auch eine umfangreiche Abteilung, die der Keramik der Renaissance von Faenza gewidmet ist.
Das MIC ist ein echtes kulturelles Referenzzentrum für Keramik: Es verfügt über eine Bibliothek, Foto- und Dokumentationsarchive , eine Restaurierungswerkstatt, einen von Bruno Munari gegründeten didaktischen Workshop "Giocare con la ceramica" (Spielen mit Keramik). Außerdem organisiert das Museum aber auch Kunstkeramik-Veranstaltungen wie den Concorso Biennale Premio Faenza und koordiniert Argillà Italia, einen internationalen Markt für Keramik-Kunsthandwerk.
Die Reise in die Welt der Keramik geht im Museum Carlo Zauli weiter, das 2002 in der historischen Werkstatt des Künstlers aus Faenza eingerichtet wurde.
Der Rundgang führt durch die historischen Atelierräume: vom Tonkeller zum Glasurraum, vom Raum mit den Brennöfen zum großen Reliefraum, wo der Erdklumpen zur Skulptur wird.
In den letzten Jahren hat sich das Museum nicht nur als Standort der Dauerausstellung etabliert, sondern ist dank verschiedener kultureller Avantgarde-Projekte auch zu einem wichtigen Zentrum für die Verbreitung und Produktion zeitgenössischer Kunst geworden.
Sehenswert: Der Skulpturengarten rundet den Rundgang ab: Hier sind die monumentalen Werke von Carlo Zauli ausgestellt, die in den 1980er Jahren entstanden sind.
Weiter geht es mit einem Besuch des Museums Guerrino Tramonti, das in dem Haus mit Werkstatt untergebracht ist, in dem der Künstler mit seiner Familie von 1958 bis 1992 (dem Jahr seines Todes) lebte.
Guerrino Tramonti hatte seine Karriere als Bildhauer begonnen, widmete sich aber bald auch der Keramik und der Malerei. In den Räumen des Museums wird diese Vielfalt an Ausdrucksformen und vor allem an Techniken gut dargestellt. In der Tat kann man rund 390 Werke mit einer immensen Vielfalt an Formen und Farben bewundern, die von einer äußerst expressiven Sensibilität begleitet werden.
Abgesehen von einigen Stücken aus kommerzieller Produktion besteht die Sammlung aus künstlerischen Kreationen, angefangen bei Terrakotta-Skulpturen aus den 1930er und 1940er Jahren, Gemälden aus seiner Zeit in Venedig (1944-47) und polychrom glasierten Keramikarbeiten.
Im weiteren Verlauf der Ausstellung kann man seine Werke bewundern, bei denen er sich von den Materialien und Techniken der chinesischen, koreanischen und japanischen Keramik inspirieren ließ, sowie die berühmten dekorativen Scheiben, die mit der Dickglasurtechnik ausgeführt wurden, die der Künstler 1953 "erfand", als er die Kunstschule Castelli leitete.
Den Abschluss des Rundgangs bilden die Ölgemälde, die Tramonti zwischen Ende der 1960er Jahre und 1992 schuf. Letzte Station der Besichtigung ist eine Rekonstruktion des Ateliers des Künstlers mit seinen Arbeitsgeräten und dem letzten unvollendeten Gemälde auf der Staffelei.
Wissenswertes: Das Museo Tramonti ist Teil des Nationalen Museumsnetzes und gehört zu den Häusern und Ateliers berühmter Persönlichkeiten der Emilia-Romagna
Faenza bestätigt sich als eine Stadt, die reich an Kunstschätzen ist. Ein weiterer sehenswerter Ort ist zum Beispiel das Museum Leandro Lega. In seinen Räumlichkeiten sind die Werke des 2002 verstorbenen Künstlers ausgestellt, ebenso wie das historische Atelier, das Archiv und die Bibliothek.
Außerdem werden Konferenzen, Ausstellungen und Begegnungen organisiert, die dem Studium, der Reflexion und dem Dialog dienen, um den Namen und die Figur von Leandro Lega bekannt zu machen.
Nützliche Infos: Das Museum kann nur nach Voranmeldung besichtigt werden.
Weiter geht es zum Riccardo-Gatti-Museum, das 1998 in den historischen Räumlichkeiten seiner Manufaktur eröffnet wurde und in dem wir einzigartige Stücke aus einer retrospektiven Sammlung der von Riccardo Gatti ab 1908 geschaffenen Keramikkunstwerke bewundern können.
Die Kunstwerke sind ein reiches Zeugnis für die Zusammenarbeit des Künstlers mit der Futurismus-Bewegung, der er persönlich angehörte. In den Vitrinen des Museums sind die ersten "Reflex"-Werke zu sehen, die zwischen Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre entstanden sind.
Für alle, die den kreativen Prozess der Keramikherstellung selbst hautnah erleben möchten, gibt es zahlreiche Werkstätten, in denen die Besucher Ton mit ihren eigenen Händen formen können.
In der Altstadt von Faenza gibt es viele Keramikwerkstätten. Insgesamt sind es etwa 60 in den engen Gassen des historischen Zentrums. Sie sind an einer ovalen Keramiktafel außen erkennbar.
Der Besuch dieser Werkstätten und die Begegnung mit den Keramikmeistern ist der beste Weg, um die traditionellen und modernen Techniken der Majolika-Herstellung in Faenza zu verstehen. Hier haben Sie die Möglichkeit, an praktischen Vorführungen teilzunehmen und mit den Kunsthandwerkern zu sprechen, die das über Generationen weitergegebene Know-how bewahren. Aber Sie können natürlich auch echte Kunstwerke direkt von den Künstlern erwerben.