Mitte des 15. Jh. erhob die Herrschaftsfamilie Malatesta die Stadt Cesena mit dem Bau der berühmten Malatesta-Bibliothek, die heute zum UNESCO-Kulturerbe gehört, zum höchsten Glanz.
Nach dem Niedergang ihrer Herrschaft erlebte Cesena jedoch eine besondere, wenn auch kurze Periode von großer politischer Bedeutung, als sie Hauptstadt des Herzogtums Romagna unter der Herrschaft von Cesare Borgia, auch bekannt als "Il Valentino", dem Sohn von Papst Alexander VI., wurde.
Im Jahr 1502 kam Leonardo Da Vinci auf Geheiß von Cesare Borgia in die Romagna und damit auch nach Cesena, und zwar als Architekt und Generalingenieur: Das toskanische Genie hatte nämlich den Auftrag erhalten, einen aktuellen Stadtplan zu erstellen und die Befestigungsanlagen angesichts der damaligen Neuerungen im militärischen Bereich zu modernisieren.
Neben der Beschreibung von alltäglichen und bäuerlichen Objekten in der Region widmete sich Leonardo der Vermessung zu Verteidigungszwecken. Insbesondere zeichnete er den Umfang der Stadtmauern und der Malatesta-Burg mit bemerkenswerter Präzision und plante verschiedene Verbesserungen, die zum Beispiel zu den Änderungen des südlichen Teils der Festungsmauern, bekannt als "alla franzosa", führten.
Eine interessante Entdeckungstour ist heute, an den gesamten Stadtmauern von Cesena entlangzuwandern, die weitgehend erhalten sind und dem von Leonardo gezeichneten Entwurf entsprechen: Die charakteristische Skorpionform aus der Malatesta-Zeit bietet uns die Möglichkeit zu einer Zeitreise zwischen mittelalterlichen Türmen und Toren.
Von den alten Stadttoren sind heute noch drei erhalten:
Ein weiteres Tor, die Porta Cervese, wurde im 19. Jh. durch die Barriera Cavour ersetzt, während zwei weitere, die Porta Santa Maria oder Porta Figarola und die Porta Trova, nicht mehr erhalten sind.
Unser Spaziergang beginnt an der Porta Fiume, dem westlichen Eingang zur Stadt, der bereits im 12. Jh. existierte, aber in seiner heutigen Form auf das Jahr 1491 zurückgeht. Es handelt sich um den einzigen noch erhaltenen Wachturm der beiden einst am Ende der Brücke San Martino bestehenden, die den Fluss Savio überspannte. An ihm sind noch die gibellinischen Zinnen, Schießscharten und Schornsteine für die Geschütze zu erkennen.
Von der Porta Fiume aus geht es weiter nach Norden über die Via Porta Fiume zur Via Mura Federico Comandini, die sich an den Stadtmauern in der Nähe der Gärten von Serravalle befindet: An den seitlichen Türmen sind noch Spuren der Arkaden und der erhöhten Wehrgänge zu erkennen. Dieser Abschnitt wurde 1502 von Leonardo da Vinci zusammen mit dem Rest der Festungsmauer entworfen, um das Verteidigungssystem für den Einsatz schwerer Feuerwaffen zu rüsten.
Weiter in diese Richtung gelangen wir in den Bereich der Porta Trova (die heute verschwunden ist) und gehen weiter zur Barriera Cavour, der ehemaligen Porta Cervese (die so hieß, weil sie in Richtung der Salzstadt Cervia wies), von der noch die Reste der "Barbakane" (des Außenwerks) des östlichen Teils im Untergeschoss der heutigen Bar zu sehen sind.
Weiter in östlicher Richtung entlang der Stadtmauer stößt man auf die Savelli-Gärten, die heute im Sommer für Konzerte und Aperitifs genutzt werden, und auf den Torrione Beluxorum, ein 1452 erbautes polygonales Eckstück der Malatesta-Mauern.
Nicht weit davon entfernt befindet sich die Porta Santi, die auch Porta Romana genannt wird, weil sie an der Straße nach Rom liegt: Sie wurde bereits Ende des 14. Jh. erwähnt, in der ersten Hälfte des 15. Jh. umgebaut und 1819 nach einem Entwurf des Architekten Curzio Brunelli zu Ehren von dem aus Cesena stammenden Papst Pius VII. in ihrer heutigen Form zu einem Denkmal erhoben, wie die Inschrift und die Wappen bezeugen.
Folgt man der südlichen Stadtmauer vorbei am Stadtpark zur Rechten gelangt man zur Portaccia, einem Flusstor, das zum Schutz des Stadteingangs gegen den Fluss Cesuola errichtet wurde. Die Spuren der Zinnen sind noch heute in den beiden Baukörpern zu sehen, die durch ein Tonnengewölbe verbunden sind, aus dem das Gitter der Barrikade herabgelassen wurde. Auch hier kann man sich beim Durchschreiten des Tors vorstellen, wie Leonardo da Vinci Anfang des 16. Jh. alle notwendigen Vermessungen vornahm, um die genauen Abmessungen festzulegen.
Von der Portaccia aus gelangen wir in die Altstadt von Cesena und erreichen die prächtige Piazza del Popolo. Neben dem Palazzo Albornoz, dem Sitz des Rathauses, und dem Masini-Brunnen, einem spätmanieristischen/proto-barocken Schmuckstück, überragt die Rocchetta di Piazza diesen zentralen Platz. Das Bauwerk, das zum Verteidigungssystem der als "Murata" bekannten Zitadelle gehört, besteht aus der venezianischen Loggetta, dem vom Architekten Matteo Nuti entworfenen polygonalen Turm und der Mauer mit oberem Wehrgang, die den Turm mit Malatesta-Burg verband.
Durch den Bogen am Platz - ehemals Porta dei Leoni (Löwentor) genannt - führt eine Straße mit Stufen zur Piazzetta Cesenati aus dem Jahr 1377 und dann zur Via Malatesta Novello, einer ansteigenden Straße, die zur Porta Montanara (verewigt in den Worten des großen Literaten Renato Serra und heute auf einer Tafel neben dem Tor eingemeißelt) und zu den Ruinen der Rocca Vecchia, (alten Burg), auch Barbarossa-Burg genannt, führt.
Von hier aus gehen wir die Via Cia degli Ordelaffi entlang, die am Sferisterio vorbeiführt, und gelangen zum Eingangstor zur Malatesta-Burg, die auch von innen besichtigt werden kann.
Ein Ausflug - mit dem Auto, dem Motorrad oder auch mit dem Fahrrad - zur Villa Silvia-Carducci in den Hügeln zwischen Cesena und Bertinoro, in Lizzano, rundet unseren Besuch ab. Hier kann man im äußerst originellen Museum Musicalia eines der ersten Beispiele eines mechanischen Musikinstruments der Geschichte bewundern: die mechanische Trommel von Leonardo Da Vinci. Dieses für praktische und militärische Zwecke konzipierte Gerät, das auf großen Rädern stand und mit einer Kurbel betrieben wurde, diente dazu, das Tempo für den Marsch der Soldaten vorzugeben und ersetzte so die Trommler aus Fleisch und Blut. Das Exemplar, das sich im Besitz des Museo Musicalia befindet, wurde nach den Originalzeichnungen Leonardos gebaut.