Einst Zentrum intensiver kommerzieller Aktivitäten, hat Ravennas Darsena-Viertel, nur wenige Schritte von der Altstadt entfernt, in den letzten Jahren eine radikale Entwicklung durchgemacht und sich in ein begehrtes Wohnviertel, ein Zentrum für Unterhaltung und Gastronomie sowie eine Ideenwerkstatt für künstlerische und kulturelle Projekte der Zukunft verwandelt.
Eines der erfolgreichsten Projekte ist die Umwandlung dieses Viertels in ein wahres urbanes Freilichtmuseum für Kunst, das ständig erweitert wird.
Mit mehr als 80 Werken, die über die ganze Stadt verteilt aber in diesem Viertel konzentriert sind, hat sich Ravenna zu Recht zu einem der wichtigsten Zentren der italienischen und internationalen Street-Art entwickelt. Hier ein Rundgang von ein paar Stunden, um den modernsten Teil der Stadt mit seiner Industriearchäologie und seinen angesagten Lokalen zu entdecken.
Hinweise
Die Tour ist sowohl zu Fuß als auch mit dem Rad sehr reizvoll. Außerdem schließt sie ein paar lohnenswerte Abstecher in Richtung Stadtion und in die Altstadt mit ein, um noch mehr – unglaubliche – Werke im Zusammenhang mit Dante Alighieri, Ravenna und seiner Geschichte zu entdecken.
Dieses Street-Art-Kunstprojekt wurde dank des Festivals Subsidenze (kuratiert von Marco "Bonobolabo" Miccoli vom Verein Indastria) ermöglicht, das seit 2014 jedes Jahr in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Jugendpolitik der Stadt Ravenna Künstler aus der ganzen Welt einlädt.
Unabhängig davon, ob man mit dem Zug in Ravenna ankommt oder nicht, ist die Unterführung neben dem Bahnhof, die die Viale Pallavicini mit dem Kopf der Darsena verbindet, das ideale Portal, um diesen Rundgang zu beginnen.
Denn bereits die Wände der Unterführung sind mit einer ununterbrochene Reihe von Graffitis von einheimischen und ausländischen Künstlern geschmückt, die eine sehr heterogene Galerie von Werken bilden. Da gibt es ironische und dramatische Bilder, jedes mit seiner eigenen Tiefe, inspiriert von Ravenna und seiner Geschichte, aber auch vom Menschen und seinem eigenen, unveränderlichen Dasein.
Wenn man dem Candiano-Kanal auf der rechten Seite entlang der Via D'Alaggio folgt, kann man nach einigen hundert Metern, wenn man zum anderen Ufer hinüberblickt, hinter dem modernen Gebäude, in dem sich die Hafenbehörde befindet, eines der bedeutendsten und imposantesten Kunstwerke des aus Belluno stammenden Künstlers Ericailcane sehen: "P.G.R." (was für "Per Grazia Ricevuta"; dt. durch Gnade erhalten, steht).
Ein riesiges Seeungeheuer ist im Begriff, ein mit anthropomorphen Mäusen vollgestopftes Rettungsboot zu verschlingen, die um Rettung flehen. Das Bild, das an die Wand der stillgelegten Futtermittelfabrik Martini gemalt wurde, scheint ein neues Bewusstsein angesichts der Gefahren der gefräßigen Modernität heraufzubeschwören.
Wenn man sich in das kleine Labyrinth der Gassen um die Artificerie Almagià hineinbegibt, stößt man auf eine weitere Reihe sehr interessanter Werke.
In der Via Magazzini posteriori sehen wir die wirbelnden Vögel des belgischen Künstlers Dzia, die traumhaften Visionen von Daniele Nitti, alias HOPE, und den Vogel aus Fleisch und Metall des Künstlers Dissenso Cognitivo.
Nicht weit davon entfernt sehen wir den äußerst intensiven und hoffnungsvollen Blick des Firefighters (Feuerwehrmanns) des Bologneser Künstlers About Ponny.
Im Darsena-Viertel gibt es auch noch jede Menge kleinere Werke zu bewundern, die auf den Wohnblocks und den zahlreichen Handwerks- und Industriegebäuden zu finden sind, die im letzten Jahrhundert entstanden sind und von denen viele erst kürzlich restauriert wurden.
Hinter der Darsena befindet sich die Via Trieste, eine der Hauptverkehrsstraßen, die vom Zentrum zum Meer führt. Auf dieser malerischen, von Bäumen gesäumten Straße stößt man als erstes auf The Last Kiss, ein "mechanisches" Werk des Turiner Künstlers Pixel Pancho, in dem sich zwei roboterhafte, aber menschlich anmutende Figuren umarmen und küssen und so den rein mechanischen Komponenten, die auf den ersten Blick nichts Menschliches an sich zu haben scheinen, Leben einhauchen und sie vermenschlichen.
Ein Stück weiter auf dieser Straße befindet sich La Scelta (Die Wahl), ein Werk von Gola Hundun aus Cesena, das die Beziehung zwischen dem Menschen und der Biosphäre untersucht. Ein spirituelles Werk, reich an Details und Farben, das man lange und sorgfältig (oder mehrmals!) betrachten sollte, um alle Nuancen zu erfassen.
Beim letzten Teil dieser Tour konzentrieren wir uns auf die Via Tommaso Gulli und einige angrenzende Straßen, in denen es die meisten Street-Art-Kunstwerke im ganzen Darsena-Viertel zu bewundern gibt.
Der erste Teil der Straße wird von dem Werk "City of Memories" (Stadt der Erinnerungen) des weltberühmten vielseitigen deutschen Künstlers Jim Avignon dominiert.
Eine fast cartoonhafte Vision, die das Leben des multiethnischsten Viertels von Ravenna durch farbenfrohe Porträts von lebhaften Figuren verewigt, von denen einige real, andere imaginär sind.
Nur einige Meter weiter, auf der gleichen Seite, befindet sich das imposante Wandgemälde von dem aus der Romagna stammenden Reve+ aus dem Jahr 2017, in dem der Künstler eine Verbindung zwischen der Welt der Nautr und der lokalen Geschichte sucht.
Zum Abschluss dieser Etappe erreichen wir die Zitadelle der Street Art, die 2019 am Ende der Via Gulli eingeweiht wurde und u. a. Werke von Ericailcane, Bastardilla, Basik, Zed1 und Millo enthält.
Allesamt sehr großformatige und farbenprächtige Werke, die – wenn auch mit sehr unterschiedlichen Stilrichtungen und Ausdrucksweisen – in diesem Freilichtmuseum der Eindrücke und Reflexionen über das Menschsein und dessen Beziehung zu seiner Umgebung, zur Welt und zur Natur sowie zu dem, was den Menschen von innen heraus bewegt – Gefühle, Unsicherheiten, Träume –, perfekt miteinander harmonieren.